EISKALTE NISCHE

Artikel DLZ Agrarmagazin | Februar 2013

Eisherstellung Sinkende Milchpreise ließen Familie Becker aus Manderscheid vor vier Jahren Ausschau nach einer zusätzlichen Einkommensquelle halten. Sie entschieden sich für die Erzeugung von "Bauernhof-Eis". Heute ist dieser Betriebszweig als erfolgreiches Standbein nicht mehr wegzudenken.

Aus durchschnittlich vier Prozent ihrer Milch stellen Claudia und Martin Becker vom Vulkaneifelhof in der Burgenstadt Manderscheid "Bauernhof-Eis" her. Abhängig von der saisonalen Nachfrage werden 100 bis 600 l der von den insgesamt 55 Kühen erzeugten Milch pro Woche zu Eis verarbeitet. Dieser Betriebszweig ist ein enorm wichtiges wirtschaftliches Standbein für die Familie geworden, die früher die Erlöse ausschließlich aus der Milchproduktion erzielte.

"Vor etwa vier Jahren befanden wir uns an einem Scheideweg", blickt Milchviehhalter Becker zurück. Damals rasten die Milcherlöse in den Keller. 20 Cent Auszahlungspreis drückten viele Landwirte an den Rand ihrer wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit. Auch im Traditionsbetrieb Becker, auf dem drei Generationen leben, war die Liquidität bedroht. "Wir stellten uns die Frage, wie wir dieser Entwicklung entgegentreten können. Ein Wachstumsschritt mit einer deutlichen Vergrößerung des Bestands war damals eine der gängigsten Beratungsempfehlungen", so der Landwirt. Doch genau das wollten er und seine Familie nicht. "Wir sahen und sehen unsere Chancen, insbesondere aufgrund der Rahmenbedingungen in unserer Region, eher in der Diversifizierung mit einer breiten Aufstellung unseres Betriebs."

Stabile Milchproduktion

Die Milcherzeugung bildet die Grundlage für die Investition in andere Standbeine. Martin Becker setzt beim Management der Kuhherde auf eine intensive Kostenkontrolle. Ziel ist es, den Bestand mit gut 8000 kg Durchschnittsleistung ohne großen Aufwand gesund und leistungsfähig zu erhalten. Die Tiere werden ausschließlich mit Futtermitteln von den eigenen Flächen versorgt, wobei die Ration zu einem großen Teil aus Grassilage besteht, die mit eigenem Getreide, etwas Stroh und Pressschnitzeln ergänzt wird. "Wir kaufen nur das Leistungsfutter, ein Soja-Raps-Gemisch, zu", sagt der Milchviehhalter. Großes Augenmerk legt er auf die Qualität des Grundfutters. Ein großer Teil der Grünlandflächen ist neu eingesät worden, um den Aufwuchs zu verbessern. Seitdem gehe es auch mit der Milchleistung weiter bergauf, so Becker. Die Kühe werden dreimal täglich gefüttert. Der Aufwand dafür lohne sich, da die Futteraufnahme höher sei, als wenn man nur einmal füttere und anschließend das Futter vorschiebe. Martin Becker beurteilt auch diese Maßnahme, wie alle anderen in seinem Betrieb, unter dem Kosten-Nutzen-Aspekt.

In naher Zukunft soll der Milchviehstall aus dem Jahr 1997 modernisiert und erweitert werden. Familie Becker könnte sich gut vorstellen, dass dann ein Roboter das Melken der Kühe übernimmt. "Das würde gut zu unserem Konzept passen."

Eis als Einkommensquelle

Auf der Suche nach einem zusätzlichen Standbein in Ergänzung zur Milchviehhaltung sah sich die Familie vor vier Jahren eine Vorführung zur Erzeugung von "Bauernhof-Eis" an und war von dem Tag an begeistert von dieser Idee. "Wir wollten mit der Veredelung der Milch zu Eis und der Direktvermarktung zumindest teilweise von den Milchmärkten unabhängig werden", sagt Martin Becker.

Gezielt bereiteten sie den Schritt in die eigene Eisherstellung vor. Das beinhaltete zunächst Schulungen und Seminare, um das Produktionsverfahren, die Technik und die Rezepturen zu erlernen. Dann folgte die konkrete Planung der räumlichen Voraussetzungen und der maschinellen Ausstattung. Keine halben Sachen machen – lautete das Motto. Deshalb bezog die Familie schon während der Planungsphase die zuständige Veterinärbehörde und die Berufsgenossenschaft ein. "So wussten wir genau, welche Anforderungen zu erfüllen waren." Nach Bewilligung der Fördermittel aus dem AFP-Programm ging es vor zwei Jahren mit dem Bau der Räume für die Eisherstellung los.

Diese sind nach strikten Hygienevorschriften gestaltet. Um das Schwarz-Weiß- Prinzip zu erfüllen, befindet sich die Eisproduktion, der so genannte reine Bereich, ein Stück weit vom Milchviehbetrieb, dem unreinen Bereich, entfernt. Externe Besucher dürfen die Räumlichkeiten nur mit Plastiküberziehern an den Schuhen sowie einer Kopfhaube betreten.

Bei der Suche nach geeigneten Geräten für die Eisproduktion wurde Familie Becker vergleichsweise schnell fündig. Das Unternehmen Bakker en Kok, in niederländischer Hand, hat sich auf den Betriebszweig "Bauernhof-Eis" spezialisiert und bietet im Franchise-Verfahren alles an, was Milchviehhalter dafür benötigen.

Dreh- und Angelpunkt ist die patentierte Eismaschine: Nach Einfüllen der frischen Milch erfolgt im oberen Bereich der Maschine das Pasteurisieren und das Koagulieren des Milcheiweißes. Nach dem Erhitzungsvorgang wird die Milch automatisch zu Eis verarbeitet. Von der Eismaschine macht sie sich auf den Weg in die spezielle Abfüllanlage, an der Becher für Becher mit den verschiedenen Eissorten gefüllt werden.

Die Investitionskosten für den Bau von Produktions-, Lager- und Verkaufsraum sowie für die Anschaffung der Geräte lagen bei rund 150.000 Euro. "Das war zwar ein großer Batzen", sagt Martin Becker. Aber wenn man sich für den Aufbau des Betriebszweigs "Bauernhof-Eis" entscheide, dürfe man nicht am falschen Ende sparen. Dies gehe immer zulasten der Qualität. Schwierig seien die Verhandlungen mit der Hausbank gewesen, so der Landwirt. Der Berater habe trotz Vorlage eines schlüssigen Investitionskonzepts zunächst nicht nachvollziehen können, dass die Abnahme und die Wirtschaftlichkeit gewährleistet seien. "Es hat einige Kraft gekostet, bis wir die Finanzierung endlich stehen hatten. Wahrscheinlich lag es daran, dass es nicht so viele Betriebe mit Eisproduktion gibt und daher nicht genug Erfahrungswerte in den Kreditinstituten vorliegen."

Rege Nachfrage

Die Nachfrage nach dem "Bauernhof-Eis" sei von Beginn an sehr gut gewesen. "Mein Schwager führt eine Gaststätte. Das hat uns den Einstieg in die Vermarktung erleichtert", sagt Landwirt Becker. Vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda und gute Beziehungen zu weiteren Gastronomen habe sich ein inzwischen großes Netzwerk an Abnehmern in diesem Sektor ergeben. Dazu kommen zahlreiche Kunden, die direkt auf dem Hof einkaufen. Wanderer und Camper finden regelmäßig den Weg in den kleinen Verkaufsraum.

Die Preise hat Martin Becker selbst kalkuliert. Ein 100-ml-Becher kostet 2 Euro, bei 0,5 l sind es je nach Sorte 3 bis 4 Euro und bei 1-l-Gebinden zwischen 5 bis 7 Euro. "Die Kunden sind gerne bereit, höhere Preise als für Industrieeis zu bezahlen, weil sie den Unterschied deutlich schmecken", sagt Claudia Becker.

Auf ein Produkt sind sie und ihr Mann ganz besonders stolz: Seit einiger Zeit kooperieren sie mit dem Vulkanhof in Gillenfeld. Daraus entstand die Kreation eines neuen Erzeugnisses, nämlich das Eifeleis. Die Ziegenmilch, der Ziegenjoghurt und der Ziegenkäse des Vulkanhofs werden von Familie Becker zu cremigem Eis veredelt. Diese Spezialität sei aus dem Sortiment des Vulkanhofs in Gillenfeld nicht mehr wegzudenken.

Auf dem richtigen Weg

Claudia und Martin Becker sind überzeugt davon, dass sie den für ihren Betrieb und für ihre Philosophie genau passenden Schritt getätigt haben. "Wir hatten anfangs schon einmal Zweifel, ob wir alles schaffen und ob wir genug Abnehmer finden." Diese Gedanken haben sich im Laufe der letzten zwei Jahre aber komplett ins Positive entwickelt. Die steigende Nachfrage bestätigt dem Ehepaar, dass der Aufbau des alternativen Standbeins mit der Produktion und Direktvermarktung von Bauernhof-Eis der richtige Weg für eine wirtschaftliche Absicherung Ihres Familienbetriebs ist.

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